Mein persönlicher Heiratsantrag


Als Hochzeitssängerin lerne ich Woche für Woche verschiedene Paare kennen und bin immer wieder berührt von der feierlichen Atmosphäre und von der tiefen Liebe, die zwischen den Paaren herrscht. Teilweise telefoniere ich schon Monate vor der Trauung mit den Paaren, bespreche den Ablauf der Trauung und gebe Tipps zu den Liedern aus meinem Repertoire. Und immer wieder höre ich, wie aufregend und schön diese Vorbereitungszeit ist. Sobald feststeht, dass das Paar sich für immer binden möchte, beginnen die umfangreichen Vorbereitungen. Der Termin muss festgelegt und die Kirche gebucht werden. Das Gespräch mit dem Pfarrer ist auch sehr wichtig. Eine gute Lokalität für die Party am Abend zu finden, ist auch nicht immer einfach. Die Brautkleidung und die Ringe werden ausgesucht. Dann braucht das Paar noch die Musik für den Abend und eine Sängerin für die Kirche. Es gibt noch ganz viele Dinge, die man aufzählen könnte. Doch etwas ganz Wichtiges steht am Anfang, damit die Vorbereitungen überhaupt beginnen können. Der Heiratsantrag.

Welche Frau wünscht ihn sich nicht, den romantischen Heiratsantrag? Vielleicht mit Rosen und einem Verlobungsring? Oder vielleicht geht er vor seiner Angebeteten auf die Knie? Und wo findet so ein Heiratsantrag statt? Bei manchen Paaren zu Hause. Bei anderen in der Öffentlichkeit. Vielleicht in einem Restaurant. Oder mitten auf dem Petersplatz in Rom. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Eines haben die meisten Anträge gemeinsam. Sie kommen völlig überraschend und sind total romantisch. Auch ich habe solch einen Heiratsantrag erlebt. Und er fand dort statt, wo ich mich als Sängerin nun mal oft aufhalte. Auf der Bühne.

Mein Traummann und nun praktischerweise auch Ehemann war schon immer sehr romantisch. So kam es schon mal vor, dass er mir während eines Auftrittes Rosen auf die Bühne brachte. Für liebevolle Überraschungen ist er immer zu haben. Doch sein Heiratsantrag war und ist der absolute Höhepunkt in Sachen Romantik und Überraschung. Es war der 2. Oktober 2004 und ich hatte einen Auftritt mit meiner Freundin auf einem Stadtfest in Kamp-Lintfort. Anschließend sollte ich noch mit meiner damaligen Band vier Stunden das Publikum einheizen. Deshalb war die gesamte Band gegen Ende des Auftrittes von mir und meiner Freundin anwesend. Mein Freund natürlich auch. Nach dem letzten Lied kamen viele Zugabe-Rufe aus dem Publikum. Meine Bandkollegen mischten da auch kräftig mit. Meine Freundin deutete mir an, dass sie noch ein Lied vortragen werde. Für mich war das okay, da ich danach noch vier Stunden singen musste. Ich erwartete die ersten Töne des Liedes und war total überrascht, dass plötzlich stattdessen Gitarrenklänge von Joe Satriani, dem Lieblingsgitarristen meines Freundes, zu hören waren. Es war ein Lied im Walzertakt, das mein Freund immer übte, weil er es mal auf der Hochzeit seiner Tochter spielen wollte. Meine Gedanken überschlugen sich und als ich ihn mit Rosen im Arm quer über den Platz laufen sah, starrte ich ihn mit großen Augen an. Er trug einen riesigen Strauß mit blutroten Rosen und einen Strauß mit zartrosa Rosen und schritt zielstrebig auf die Bühne zu. Er stieg die Treppen hinauf und….ging an mir vorbei. Ich konnte ihm nur zuschauen, denken konnte ich nicht mehr. Ich war einfach zu überrascht. Er schenkte meiner Freundin, die von dieser Aktion wusste, den kleineren Strauß. Er erzählte mir hinterher, dass er es nicht gut gefunden hätte, der Freundin auf der Bühne keine Blumen zu schenken. Ein Gentlemen durch und durch.

Dann kam er auf mich zu, drehte mich zu sich, küsste mich und flüsterte mir ins Ohr, dass er mir nicht nur diese Blumen schenken möchte, sondern auch sein Herz. Und dann kam die Frage aller Fragen: „Willst du mich heiraten“? Ich konnte nur nicken und ihm um den Hals fallen. Im Hintergrund hörte ich die Menschen jubeln, denn meine Freundin hatte mittlerweile das Mikrofon in der Hand und erzählte dem Publikum, dass es sich um einen Heiratsantrag handelt. Dann hielt sie das Mikrofon meinem Schatz hin und er rief hinein: „Hallo Kamp-Lintfort. Sie hat „Ja“ gesagt“. Jetzt jubelten die Leute erst recht. Danach zog er eine kleine Schatulle aus der Jacke und zeigte mir stolz die Ringe, die er heimlich besorgt hatte. Ich konnte ihm nur noch um den Hals fallen. Ich glaube, ich habe die ganze Zeit überhaupt nichts gesagt. So sprachlos war ich noch nie in meinem Leben. Es war Glück pur und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich es danach geschafft habe, noch vier Stunden mit der Band zu spielen. Diese Stunden kamen mir endlos vor. Immer wieder musste ich an diesen wunderschönen Heiratsantrag denken. Glücklicherweise hat jemand ein kleines Stück mitgefilmt und so können wir uns immer mal wieder unseren Heiratsantrag anschauen. Und das Lied von Joe Satriani hat seitdem natürlich eine ganz besondere Bedeutung für uns.